Elektronische Navigation fürs Bojenmanöver in der Nacht: die wichtigste Antwort vorweg
Elektronik macht ein Bojenmanöver in der Nacht deutlich entspannter – aber nur, wenn du sie gezielt einsetzt und weisst, was sie nicht kann. GPS-Plotter oder Karten-App bringen dich in die Nähe der Boje, Echolot und Tiefenmesser helfen beim sicheren Heranfahren, AIS reduziert Kollisionsrisiken, und sauber gesetzte Wegpunkte und Tracks führen dich auch bei Dunkelheit reproduzierbar an dieselbe Position. Entscheidend ist: Du planst das Manöver tagsüber, prüfst alle Geräte vor dem Ablegen und nutzt die Elektronik als Unterstützung, nicht als Ersatz für Ausguck, Geschwindigkeitssinn und klares Crew-Briefing.
Elektronik als Unterstützung, nicht als Ersatz für Seemannschaft
Elektronische Navigation ist beim Bojenmanöver in der Nacht ein grosser Sicherheitsgewinn – solange du dir bewusst bleibst, dass jede Anzeige Fehler haben kann. GPS-Positionen können einige Meter abweichen, Karten sind nicht immer millimetergenau, und Sensoren können ausfallen oder falsch konfiguriert sein. Darum bleibt klassische Seemannschaft die Basis:
- Ausguck: Mindestens eine Person schaut konseqünt nach vorne und zur Seite, nicht nur auf den Plotter.
- Geschwindigkeit: Bei Nacht immer langsamer als am Tag, damit du Zeit zum Reagieren hast.
- Kommunikation: Klare Kommandos, wer was beobachtet (Boje, andere Boote, Tiefe, Plotter).
- Plan B: Du weisst, wohin du ausweichen kannst, falls die Elektronik ausfällt oder die Boje nicht gefunden wird.
Denke die Rollenverteilung an Bord bewusst mit Elektronik: Wer bedient den Plotter, wer kontrolliert Tiefe und Geschwindigkeit, wer kümmert sich um die Bojenleine? Für Rollen, Kommandos und Sicherheit im Team hilft dir der Beitrag Bojenmanöver Crew Sicherheit.

GPS-Plotter und Karten-Apps für die Bojenansteuerung in der Nacht
Der Plotter oder eine gute Karten-App auf dem Tablet oder Smartphone ist dein zentrales Werkzeug, um die Boje in der Nacht überhaupt zu finden. Wichtig ist, dass du ihn nicht nur „mitlaufen“ lässt, sondern aktiv vorbereitest.
Wegpunkt für die Boje tagsüber setzen
Am einfachsten ist es, wenn du die Boje bereits kennst und tagsüber anfährst. Dann kannst du vor Ort einen Wegpunkt setzen:
- Mit dem Boot direkt an der Boje oder leicht versetzt (zum Beispiel in Lee) stoppen.
- Auf dem Plotter oder der App einen neuen Wegpunkt anlegen (etwa „Boje Nord“, „Boje Club“).
- Notieren, ob der Wegpunkt die Boje selbst oder eine Position leicht daneben markiert (zum Beispiel 10–20 m in Lee).
So kannst du in der Nacht gezielt auf diesen Punkt zuhalten, ohne lange zu suchen.

Annäherungskurs und Sicherheitsbereich planen
Plane nicht nur den Punkt, sondern auch den Weg dorthin:
- Lege eine Route mit ein bis drei Wegpunkten an, die dich auf sicherem Wasser zur Boje führt.
- Nutze die Kartenansicht, um Flachstellen, Untiefen oder andere Bojenfelder zu erkennen.
- Definiere in Gedanken einen Sicherheitsbereich um die Boje (zum Beispiel 30–50 m), in dem du nur noch sehr langsam fährst und ständig nach vorne schaust.
Viele Skipper zeichnen sich zusätzlich eine Linie gegen den Wind in Gedanken: Von der Boje aus in Luv eine Gerade, auf der sie das Boot zum Stehen bringen wollen, bevor sie langsam zur Boje abfallen.
Display-Einstellungen für die Nacht optimieren
Ein zu helles Display blendet die Crew und macht das Erkennen von Lichtern und Bojen schwieriger. Vor dem Bojenmanöver solltest du:
- Die Helligkeit reduzieren und – falls vorhanden – den Nachtmodus aktivieren.
- Nur die wichtigsten Datenfelder anzeigen (zum Beispiel Kurs über Grund, Geschwindigkeit über Grund, Distanz zum Wegpunkt).
- Die Karte so zoomen, dass du sowohl die Boje als auch die Umgebung (Untiefen, andere Tonnen) im Blick hast.
Smartphone oder Tablet als zusätzlicher Plotter
Gerade auf kleineren Booten in der Schweiz ist ein fest installierter Plotter nicht immer vorhanden. Eine gute Karten-App auf dem Smartphone oder Tablet kann viel abdecken, hat aber Grenzen:
- Vorteile: Flexibel, mobil, oft mit aktuellen Karten, leicht zu bedienen.
- Risiken: Akku, Überhitzung, Nässe, schlechter GPS-Empfang im Cockpit.
Sorge für wasserdichte Huelle, Stromversorgung und möglichst freien Blick zum Himmel, damit das GPS-Signal stabil bleibt.
AIS und Kollisionsvermeidung bei Nacht rund um die Boje
AIS (Automatic Identification System) zeigt dir andere Schiffe mit AIS-Transponder auf dem Plotter oder separatem Display an. Auf Schweizer Seen ist die Verbreitung geringer als auf See, aber auf grösseren Gewässern und bei viel Verkehr kann AIS trotzdem wertvoll sein.
Wann AIS beim Bojenmanöver hilft
- Frühzeitiges Erkennen von An- und Abfahrten: Du siehst, ob sich andere Boote der Bojenreihe nähern oder davon wegfahren.
- Überblick im Dunkeln: Gerade bei schlechter Sicht erkennst du Bewegungsrichtungen besser als nur an den Lichtern.
- Eigenes Boot sichtbar machen (mit Transponder): Andere Schiffe sehen dich auf ihrem Plotter, auch wenn deine Lichter im Hintergrund verschwinden.
Grenzen von AIS beim Bojenmanöver
Wichtig ist, die Grenzen zu kennen:
- Nicht alle Boote haben AIS – kleine Sportboote, Ruderboote, SUPs und viele Yachten erscheinen nicht auf dem Display.
- Die Position anderer Boote ist nicht millimetergenau und kann zeitlich leicht verzögert sein.
- Für das eigentliche Heranfahren an die Boje ist AIS kaum relevant – hier zählen Plotter, Echolot und Ausguck.
Echolot und Tiefenmesser rund um die Boje sinnvoll einsetzen
Gerade bei Nacht ist die Tiefe schwer einzuschätzen. Ein funktionierendes Echolot oder ein einfacher Tiefenmesser ist deshalb ein zentrales Sicherheitsinstrument.
Vor dem Manöver: Mindesttiefe kennen
Vor dem Bojenmanöver solltest du wissen:
- Wie tief dein Boot mit Kiel oder Schwert geht.
- Welche Mindesttiefe du rund um die Boje brauchst, um sicher zu manövrieren.
- Ob es in der Nähe bekannte Flachstellen oder Untiefen gibt.
Stelle am Tiefenmesser – falls möglich – einen Tiefenalarm ein, der dich warnt, bevor es kritisch wird. Die genaue Einstellung hängt von deinem Boot und der Kalibrierung des Geräts ab; prüfe das vorab bei Tageslicht.
Beim Heranfahren: Tiefe aktiv beobachten
Beim langsamen Anlaufen der Boje sollte eine Person die Tiefe im Blick behalten und regelmässig melden, zum Beispiel „vier Meter, drei Komma fünf, drei Meter“. So merkst du sofort, wenn es plötzlich flacher wird und kannst abbrechen oder ausweichen.
Typische Fehler beim Umgang mit dem Echolot
- Falsche Kalibrierung: Zeigt das Gerät die Tiefe unter dem Kiel oder unter dem Sensor an? Das macht einen deutlichen Unterschied.
- Blindes Vertrauen: Luftblasen, Kraut oder starker Krangang können zu Fehlanzeigen führen.
- Alarm ignorieren: Ein ständig piepsender Alarm wird schnell abgeschaltet – besser ist, ihn sinnvoll zu konfigurieren.
Wegpunkte und Tracks für wiederkehrende Nachtmanöver nutzen
Viele Bojen werden regelmässig angelaufen – etwa Clubbojen oder Daürliegeplätze. Hier lohnt es sich, die Elektronik so zu nutzen, dass du das Manöver bei Nacht reproduzierbar fahren kannst.
Track bei Tageslicht aufzeichnen
Fahre die Boje bei guten Bedingungen an und zeichne dabei den Track auf:
- Starte die Trackaufzeichnung vor dem Einlaufen in das Bojenfeld.
- Fahre dein gewünschtes Standardmanöver (zum Beispiel gegen den Wind an die Boje, mit definierter Wende oder Halse).
- Speichere den Track mit einem klaren Namen (zum Beispiel „Boje Club Nord – Anfahrt Westwind“).
Diesen Track kannst du in der Nacht als Orientierung nutzen, um dich auf derselben Linie zu bewegen – immer kombiniert mit Ausguck und Tiefenkontrolle.
Mehrere Varianten für unterschiedliche Windrichtungen
Gerade auf Seen ändert sich die Windrichtung schnell. Es kann sinnvoll sein, für typische Situationen je einen Track zu speichern, zum Beispiel:
- „Boje Club – Anfahrt bei Westwind“
- „Boje Club – Anfahrt bei Ostwind“
So kannst du in der Nacht die passende Variante wählen und musst nicht improvisieren.
Wegpunkte als Sicherheitsnetz
Neben dem Track bleiben Wegpunkte wichtig:
- Ein Wegpunkt vor dem Bojenfeld, an dem du auf Manövergeschwindigkeit reduzierst.
- Ein Wegpunkt bei der Boje selbst (oder leicht versetzt), der dir hilft, die genaue Position zu finden.
Wenn der Track einmal nicht vernünftig angezeigt wird oder versehentlich gelöscht wurde, hast du mit den Wegpunkten immer noch eine gute Orientierung.
Vergleich der elektronischen Helfer beim Bojenmanöver in der Nacht
| Elektronisches Hilfsmittel | Stärke beim Nacht-Bojenmanöver | Typische Grenzen | Wann besonders nützlich |
|---|---|---|---|
| Fest installierter GPS-Plotter | Grosse, gut ablesbare Anzeige; stabile Stromversorgung; einfache Nutzung von Wegpunkten und Tracks | Fester Einbauort, eventuell nicht vom Rudergast aus sichtbar; Karten müssen aktuell gehalten werden | Regelmässige Nachtmanöver an denselben Bojen; grössere Bojenfelder mit Untiefen in der Nähe |
| Karten-App auf Smartphone oder Tablet | Flexibel, mobil, oft sehr benutzerfreundlich; gut als zusätzlicher Plotter | Abhängig von Akku und GPS-Empfang; empfindlich gegen Nässe und Kälte oder Hitze | Kleinere Boote ohne fest installierten Plotter; gelegentliche Nachtmanöver |
| Ais-empfänger oder Transponder | Frühzeitiges Erkennen anderer Schiffe; bessere Übersicht bei viel Verkehr | Nur Schiffe mit AIS sichtbar; Position und Kurs nicht millimetergenau | Grosse Seen mit viel Nachtverkehr; Nähe zu Fahrwassern oder Fährlinien |
| Echolot oder Tiefenmesser | Direkte Information über die aktuelle Wassertiefe; Warnung vor Flachstellen | Abhängig von korrekter Kalibrierung; Störungen durch Kraut oder Luftblasen möglich | Bojen in Nähe von Untiefen; unbekannte Bojenfelder; Nachtmanöver bei sinkendem Wasserstand |
Checkliste: Elektronik-Setup vor dem Bojenmanöver in der Nacht prüfen
Mit dieser praktischen Checkliste gehst du systematisch durch, ob deine elektronische Navigation für das Nacht-Bojenmanöver bereit ist.
- Stromversorgung
- Batteriespannung geprüft, keine offensichtlichen Verbraucher unnötig an.
- Plotter, AIS und Echolot erhalten sicher Strom.
- Smartphone oder Tablet geladen, Ladeoption an Bord vorhanden.
- GPS und Plotter
- GPS-Empfang stabil (Position springt nicht stark).
- Relevante Bojen-Wegpunkte vorhanden und sinnvoll benannt.
- Trackaufzeichnung bereit oder passende gespeicherte Tracks ausgewählt.
- Kartenmassstab so eingestellt, dass Boje und Umgebung gut sichtbar sind.
- Display und Bedienung
- Nachtmodus und Helligkeit angepasst, niemand wird geblendet.
- Nur die wichtigsten Datenfelder eingeblendet (Kurs, Geschwindigkeit, Distanz zum Wegpunkt).
- Bedienungsknöpfe oder Touchscreen auch mit nassen Händen gut nutzbar.
- AIS (falls vorhanden)
- Gerät eingeschaltet, Empfangsqualität geprüft.
- Darstellung auf dem Plotter verstanden (Kursvektoren, CPA- oder TCPA-Anzeigen, falls vorhanden).
- Eigenes Schiff korrekt konfiguriert (Name, MMSI, falls vorhanden).
- Echolot oder Tiefenmesser
- Gerät zeigt plausible Werte im bekannten Tiefenbereich.
- Tiefenalarm sinnvoll eingestellt (nicht ständig auslösend, aber rechtzeitig warnend).
- Crew weiss, wer die Tiefe ansagt und worauf zu achten ist.
- Backup-lösungen
- Hand-GPS oder zweite App als Reserve vorhanden.
- Wichtige Wegpunkte oder Koordinaten auch analog notiert (zum Beispiel im Logbuch).
- Stirnlampe mit Reservebatterien griffbereit.
Wenn du zusätzlich deine physische Ausrüstung für die Nacht prüfen willst (Bojenhaken, Leinen, Lichter), hilft dir die Seite Ausrüstung Bojenmanöver bei Nacht mit einer eigenen Checkliste.
Du planst, bei Dunkelheit an einer bekannten Boje anzulegen und möchtest deine elektronische Navigation so vorbereiten, dass du das Manöver ruhig und reproduzierbar fahren kannst, auch wenn du müde bist oder die Sicht eingeschränkt ist.
Ausgangslage: Du hast mindestens einen GPS-Plotter oder eine Karten-App, ein funktionierendes Echolot und kennst die Boje bereits von Tagesmanövern. Du kannst tagsüber einmal zur Boje fahren, um Wegpunkte und Tracks zu setzen, und hast Papier und Stift für eine kurze Notiz der wichtigsten Koordinaten.
Fahre die Boje bei Tageslicht an, reduziere frühzeitig auf Manövergeschwindigkeit und zeichne auf dem Plotter oder der App einen Track vom sicheren Freiwasser bis zur Endposition an der Boje auf. Lege dabei mindestens zwei Wegpunkte an: einen „Anlaufpunkt“ vor dem Bojenfeld, an dem du später in der Nacht immer auf langsame Fahrt gehst, und einen Wegpunkt direkt an der Boje. Speichere Track und Wegpunkte mit klaren Namen (zum Beispiel „Boje Club – Anfahrt Westwind“). Notiere die Koordinaten der Boje zusätzlich im Logbuch. Vor dem Nachtmanöver wählst du den passenden Track aus, aktivierst die Anzeige der Distanz zum Anlaufpunkt und lässt eine Person zusätzlich die Tiefe überwachen, sobald ihr in den Bereich des Anlaufpunkts kommt.
Du erkennst ein gelungen vorbereitetes Setup daran, dass du in der Nacht die Boje ohne langes Suchen findest, die Distanz zum Anlaufpunkt und zur Boje auf dem Plotter klar ablesen kannst und die gemessene Tiefe in dem Bereich liegt, den du vom Tagesmanöver kennst. Wenn du merkst, dass Track oder Wegpunkte nicht mit der Realität übereinstimmen (zum Beispiel führt der Track zu nah an eine andere Boje oder eine Flachstelle), passt du sie beim nächsten Tagesmanöver an und prüfst sie erneut.
Verlässt du dich ausschliesslich auf einen ungetesteten Track oder ungenaue Wegpunkte, riskierst du, bei Nacht zu nah an andere Boote, Bojen oder Untiefen zu geraten. Auch ein Ausfall des Plotters kann problematisch werden, wenn du keine analoge Notiz der Koordinaten und keinen Plan B hast. Darum solltest du deine elektronische Route immer zürst bei Tageslicht testen, wichtige Daten zusätzlich notieren und im Zweifel lieber früher abbrechen und neu ansetzen, statt ein unsicheres Manöver zu erzwingen.
Datensicherheit, Updates und Backups deiner Navigationsdaten
Wegpunkte und Tracks sind wertvoll, besonders wenn du sie über Jahre verfeinerst. Ein Gerätedefekt oder ein unbedachter Reset kann diese Daten löschen. Deshalb lohnt sich ein wenig Pflege.
Regelmässige Backups der Navigationsdaten
Je nach Gerät gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:
- Export von Wegpunkten und Tracks auf eine Speicherkarte.
- Synchronisation mit einer Hersteller-Cloud oder einer PC-Software, falls angeboten.
- Manuelles Mitschreiben wichtiger Koordinaten im Logbuch.
Lege dir eine einfache Routine zurecht, zum Beispiel am Saisonende oder nach grösseren Törns, um deine Daten zu sichern.
Software- und Kartenupdates mit Augenmass
Updates können Fehler beheben und Karten aktualisieren, aber auch Einstellungen verändern. Sinnvoll ist:
- Updates nicht direkt vor einer Nachtfahrt einzuspielen, sondern mit Zeit zum Testen.
- Nach einem Update zu prüfen, ob alle Wegpunkte und Tracks noch vorhanden sind.
- Wichtige Einstellungen (zum Beispiel Tiefenalarme, Anzeigeprofile) kurz zu kontrollieren.
Datenschutz und Geräteschutz
Auf mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets liegen oft nicht nur Navigationsdaten, sondern auch persönliche Informationen. Achte auf:
- Sichere Entsperrmethoden (PIN, Muster, biometrische Sperre).
- Regelmässige Backups des Geräts, damit du bei Verlust nicht alles neu einrichten musst.
- Robuste, wasserdichte Huelle, damit das Gerät nicht bei der ersten Welle ausfällt.
Typische Fehler und Einschränkungen bei elektronischer Navigation in der Nacht
Viele Probleme beim Nacht-Bojenmanöver entstehen nicht durch fehlende Elektronik, sondern durch falsche Erwartungen oder Bedienfehler.
Zu viel Blick auf den Bildschirm, zu wenig nach draussen
Ein häufiger Fehler ist, dass der Rudergast ständig auf den Plotter schaut und dabei Lichter, andere Boote oder die Boje selbst zu spät wahrnimmt. Verteile die Aufgaben klar:
- Eine Person bedient Plotter oder App und meldet Distanz, Kurs und Track.
- Eine andere Person hält konseqünt Ausguck nach vorne.
- Die Person an der Pinne oder am Steuerrad nutzt beide Informationen, bleibt aber in erster Linie draussen.
Ungeprüfte oder veraltete Karten
Elektronische Karten können Fehler enthalten oder nicht ganz aktuell sein. Verlasse dich nicht darauf, dass jede Boje exakt eingezeichnet ist. Besonders bei privaten Bojenfeldern oder Clubbojen kann die Lage leicht variieren. Nutze die Karte als Orientierung, aber prüfe die Realität mit Augen und Echolot.
Blendung und Nachtsehen
Zu helle Displays zerstören die Nachtadaption der Augen. Wer direkt vom Plotter in die Dunkelheit schaut, sieht Bojenlichter und unbeleuchtete Hindernisse schlechter. Reduziere Helligkeit und nutze – wenn vorhanden – Rot- oder Nachtmodus. Auch Stirnlampen sollten nicht ständig in die Augen anderer Crewmitglieder leuchten.
Keine Übung mit der Elektronik
Ein Plotter mit vielen Funktionen hilft wenig, wenn du sie im Dunkeln nicht findest. Übe das Setzen von Wegpunkten, das Starten und Stoppen von Tracks und das Zoomen der Karte bei Tageslicht. Wer für die Segelprüfung oder generell das Bojenmanöver systematisch üben will, findet unter bojenmanöver segelboot üben konkrete Manövertipps, die sich gut mit Elektronik kombinieren lassen.
Keine Backup-Strategie
Elektronik kann ausfallen: Stromproblem, Wasserschaden, Softwareabsturz. Plane immer ein Backup:
- Analoge Notiz wichtiger Koordinaten.
- Ein zweites Gerät (Hand-GPS oder Smartphone mit App) als Reserve.
- Einen einfachen Plan, wie du das Bojenfeld ohne Elektronik anfährst (zum Beispiel Landmarken, Peilungen, Tiefenlinien).
FAQ: Häufige Fragen zur elektronischen Navigation beim Bojenmanöver in der Nacht
Was sollten Seglerinnen und Segler zum Thema elektronische Navigation beim Bojenmanöver in der Nacht unbedingt verstehen?
Wesentlich ist, dass Elektronik dir vor allem bei der Orientierung hilft: Sie zeigt dir, wo du bist, wie weit es bis zur Boje ist und wie sich Tiefe und Umgebung verändern. Sie nimmt dir aber nicht die Verantwortung ab, langsam zu fahren, Ausguck zu halten und ein klares Manöverschema zu haben. Wer Wegpunkte und Tracks tagsüber sauber vorbereitet, die Geräte vor der Nachtfahrt prüft und ihre Grenzen kennt, macht das Bojenmanöver in der Nacht deutlich sicherer und entspannter.
Welche typischen Fehler bei Plotter, GPS und Echolot sollten beim Nacht-Bojenmanöver vermieden werden?
Häufige Fehler sind: Wegpunkte direkt aus der Karte zu übernehmen, ohne sie vor Ort zu prüfen; sich zu sehr auf die angezeigte Position zu verlassen und dabei Ausguck und Tiefe zu vernachlässigen; Displays zu hell einzustellen und damit die Nachtadaption der Augen zu zerstören; und Tiefenalarme so zu konfigurieren, dass sie ständig piepsen und deshalb ignoriert oder abgeschaltet werden. Besser ist, Wegpunkte bei Tageslicht zu setzen, die Elektronik als Hilfsmittel zu sehen und Alarme so einzustellen, dass sie nur in wirklich kritischen Situationen auslösen.
Wie gehe ich konkret vor, wenn ich zum ersten Mal ein Bojenmanöver in der Nacht mit Elektronik plane?
Plane zunächst ein Tagesmanöver an derselben Boje: Fahre sie mehrfach an, setze Wegpunkte, zeichne einen Track auf und prüfe die Tiefe in der Umgebung. Sichere diese Daten und notiere die wichtigsten Koordinaten im Logbuch. Vor der Nachtfahrt gehst du deine Elektronik-Checkliste durch, verteilst die Rollen an Bord (wer schaut auf Plotter, wer auf Tiefe, wer auf die Boje) und legst fest, ab welchem Punkt du auf Manövergeschwindigkeit gehst. In der Nacht selbst fährst du langsamer als am Tag, nutzt Wegpunkt oder Track nur als Leitlinie und brichst das Manöver lieber einmal mehr ab, wenn dir etwas unsicher erscheint.
Was ist der sinnvollste nächste Schritt, nachdem ich mich mit elektronischer Navigation für Nacht-Bojenmanöver befasst habe?
Der nächste Schritt ist, das Gelernte praktisch zu üben: Suche dir eine bekannte Boje, fahre sie bei Tageslicht an und richte deine Wegpunkte, Tracks und Tiefeneinstellungen ein. Übe das Bojenmanöver mehrfach, bis der Ablauf sitzt – zürst ohne, dann mit gezielter Nutzung der Elektronik. Wenn du dich sicher fühlst, kannst du das Manöver in der Dämmerung und später bei Dunkelheit wiederholen. Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf Anlegen an der Boje bei Nacht, um Manövertechnik und elektronische Helfer zu einem stimmigen Gesamtplan zu verbinden.
Ist AIS auf Schweizer Seen für Bojenmanöver in der Nacht wirklich nötig?
AIS ist für das eigentliche Heranfahren an die Boje nicht zwingend, kann aber auf grösseren Seen mit viel Verkehr ein wertvoller Sicherheitsgewinn sein. Es hilft dir, andere Schiffe frühzeitig zu erkennen und ihre Bewegungsrichtung einzuschätzen. Wenn du häufig nachts unterwegs bist, in der Nähe von Fährlinien manövrierst oder längere An- und Abfahrten zur Boje hast, lohnt sich AIS eher als bei kurzen Strecken in wenig befahrenen Revieren. Entscheidend bleibt aber: Auch mit AIS musst du konseqünt Ausguck halten und darfst dich nicht darauf verlassen, dass alle Boote auf dem Display erscheinen.



